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Ein bisschen Geschichte

Autor: LauraFe | Datum: 03 April 2017, 19:53 | 0 Kommentare

Hallo zusammen,

jetzt ist es doch tatsächlich schon so weit und die Hälfte meiner Zeit ist vorbei. Seit 5 Monaten bin ich jetzt schon hier und 5 weitere Monate liegen noch vor mir. Das ist, wie ich finde, ein guter Zeitpunkt um ein bisschen was zur Vergangenheit Namibias zu schreiben. Bevor ich her kam habe ich mich bereits ein bisschen belesen und nun möchte ich auch euch etwas näher zu den historischen Begebenheiten hier in Namibia informieren.

Bitte bedenkt beim Lesen, dass meine Kommentare immer nur meine Sichtweise wiederspiegeln, sich mir da durchaus auch Fehler einschleichen können (wenn ihr welche findet, meldet euch), ich nicht ganz so ausführlich schreiben kann, also vieles sehr kurz gefasst ist und auch einiges fehlen wird.

 

Für ein besseres Verständnis beim Lesen, zu Beginn eine kurze Information zu den Nama, da die meisten Einwohner in Gibeon Nama sind und diese zusammen mit den Herero historisch gesehen eine wichtige Rolle spielen.

Das Volk der Nama ist einer der 11 Volksstämme in Namibia, benannt nach ihrem Siedlungsgebiet dem Namaqualand. (Zu den Völkern gehören: Namas, Damara, San, Herero, Oshiwambo, Tswanas, Caprivians, Kavangos, Basters, Ovahimba und Coloureds. Meine Gastfamilie hat für mich gezählt, hier wird übrigens in dem Zusammenhang von "different cultures" gesprochen :D). Ursprünglich lebten die Nama als viehzüchtende Nomaden nördlich und südlich des Oranje-Flusses, zogen allerdings später weiter nach Norden. Holländisch Siedler gaben ihnen auf Grund ihrer Sprache den Namen „Hottentotten“. Dem Internet zufolge nennen sie sich selbst auch „Khoi-Khoi“, ich habe diesen Begriff allerdings noch nie bewusst wahrgenommen und gehört. Meistens ist von Nama die Rede.

Die Sprache heißt Khoekhoegowab. Wenn über die Sprache gesprochen wird, wird diese oft auch mit kkg abgekürzt oder von Nama gesprochen. Der Begriff „Nama“ steht also nicht nur für den Volksstamm, sondern auch für die Sprache. Khoekhoegowab hat ‚nur‘ vier verschiedene Klicklaute (die Herero zum Beispiel haben meine ich mehr, auch wenn ich grade nicht mehr weiß wie viele). Da es sich um keine germanische Sprache handelt, finden sich auch keine Gemeinsamkeiten zu Deutsch und mir fällt das Lernen sehr, sehr schwer. Ich kann inzwischen „Wie geht es dir?“, „Mir geht es gut!“ und „Wie bitte?“ sagen, wobei „sagen“ eigentlich auch übertrieben ist, da ich die Klicklaute nicht hinbekomme. Da sich keine Gemeinsamkeiten zu einer mir bekannten Sprache finden, lässt sich nichts ableiten und meistens vergesse ich die Wörter direkt wieder. Das sieht bei Afrikaans schon etwas anders aus. Auch wenn Englisch die offizielle Amtssprache ist, sprechen viele Leute noch Afrikaans, besonders ältere und sehr junge Menschen sprechen oft nur Khoekhoegowab und Afrikaans. Zumindest habe ich das bisher so wahrgenommen. Zu Hause wird eher selten Englisch gesprochen, das lernen die Kinder erst in der Schule (der Unterricht ist bis auf die Sprachen komplett auf Englisch). Afrikaans ist die jüngste germanische Sprache und dem Holländischen und Plattdeutschen sehr ähnlich. Da es sich zu dem um eine ‚phonetische‘ Sprache handelt und auch die Grammatik ähnlich der deutschen ist, wenn auch sehr stark vereinfacht, sollte man meinen, ich spreche inzwischen einigermaßen gut Afrikaans. Leider ist dem noch nicht so. Ich weiß, wie ich die Wörter ausspreche und vieles verstehe ich schon. Auch kann ich inzwischen einfache, grammatikalisch richtige, Sätze bilden und kurze und einfache Fragen beantworten, für eine längere Unterhaltung fehlen mir allerdings noch eine Menge Vokabeln. Da aber wie gesagt die offizielle Amtssprache Englisch ist, die Meisten Englisch sprechen und auch alles auf Englisch läuft, komme ich damit sehr gut zurecht. Auch in meiner Gastfamilie wird viel Englisch gesprochen – zumindest sobald ich dabei bin.

 


 

„Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne“ Ein Zitat, das mir persönlich aus dem Geschichtsunterricht noch gut in Erinnerung geblieben ist. Eine deutsche Kolonie ist von 1884 bis 1919 Namibia, beziehungsweise damals noch „Deutsch-Südwestafrika“

Aber vielleicht fange ich besser ein Jahr eher an. 1883 erwirbt der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz große Gebiete um die heutige Lüderitzbucht (damals noch Angra Pequena) von den Nama, die damit fast ihren gesamten Landbesitz verlieren. Ein Jahr später, 1884 erklärt Bismarck Deutsch-Südwestafrika zu deutschem Protektorat. Im Selben Jahr werden auf der Berliner Kongo-Konferenz die Grenzen für Namibia festgelegt (den Caprivi-Zipfel noch nicht miteingeschlossen) und 1885 wird die „Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika“ gegründet, an die Adolf Lüderitz aus Geldmangel seine Länderrein verkauft.

Die Lüderitzbucht beziehungsweise der Ort Lüderitz heißt heute noch so. Wenn man hier in Namibia den Namen irgendwo liest wird allerdings oft „Luderitz“ geschrieben, genauso wie aus „Maltahöhe“ schnell „Maltahohe“ wird, da in den in Namibia gesprochenen Sprachen die Umlaute „ä“, „ü“ und „ö“ nicht bekannt sind. Jeder Stamm hat übrigens eine eigene Stammessprache, auch wenn sich teilweise Gemeinsamkeiten finden lassen und sich manche Stammessprachen ähneln. Dazu kommen Englisch und Afrikaans. An einigen Schulen (in größeren Städten) wird auch Deutsch unterrichtet, schon mehr als einmal bin ich jemandem begegnet der in der Schule Deutsch gelernt hat.

1889 wird die Erste Schutztruppe unter dem Kommando von Curt von Francois nach Namibia entsandt, die zu dem Zeitpunkt nur einen polizeilichen Charakter hat, also nicht für kriegerische Aktivitäten bestimmt ist. Dementsprechend kommt es zu Problemen mit den Herero, die den Deutschen eher feindlich gegenüberstehen. Im darauffolgenden Jahr wird Windhoek zum Sitz der Deutschen Verwaltung ernannt und durch den „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ vergrößert sich das Schutzgebiet um den Caprivi-Zipfel. Mit den Häuptlingen der verschiedenen Volksstämme werden Schutzverträge geschlossen, der Namahäuptling Hendrik Witbooi erkennt dies allerdings nicht an.

Wichtig zu erwähnen ist vielleicht auch, dass unter den einzelnen Stämmen zu dem Zeitpunkt Krieg herrscht, besonders zwischen den Herero und Nama. Durch den „polizeilichen Charakter“ der deutschen Schutztruppen werden diese Stammeskämpfe mit strikter Neutralität verfolgt. 1892 kommt es schließlich zum sogenannten „Friede von Otjimbingwe“ und die Nama und Herero versöhnen sich, was später schwerwiegende Folgen für die deutsche Kolonialmacht mit sich bringt.

Im April 1893 entschließt sich Curt von Francois dazu Witboois Truppen anzugreifen. Obwohl es trotz schwerer Verluste zu einem Sieg der deutschen Truppen kommt, entkommt Hendrik Witbooi mit einem Großteil seiner Leute und greift immer wieder Deutsche an. Im September 1894 wird Major Leutwein neuer Kommandeur und besiegt Witbooi schließlich in den Naukluft Bergen. Gezwungenermaßen erkennt Hendrik Witbooi den Schutzvertrag an und verpflichtet sich der deutschen Schutzmacht Heerfolge zu leisten.

Eine aus Südafrika eingeschleppte Rinderpest vernichtet 1897 60% der Einheimischen Viehherden und nur 30% der Weißen, da diese frühzeitig geimpft wurden. Damit geht den Einheimischen vorübergehend die wirtschaftliche Grundlage verloren, die Viehherden erholen sich aber relativ schnell wieder. Einige Hererokapitäne im Norden müssen große Ladflächen verkaufen um zu überleben. Da sie diese  Flächen aber weiterhin als Weideland nutzen, kommt es zum Konflikt mit den Weißen, welche auf die Rinder schießen. Auch kommt es immer öfter zu Schießereien zwischen den Einwanderern und den Herero. Im Januar 1904 beginnt der Hererokapitän Samuel Maharero mit Plünderungen deutscher Siedlungen und teilweise kommt es auch zu brutalen Morden. Vergeblich versuchen die deutschen Schutztruppen die Aufstände zu stoppen und erleiden bis zum Sommer des Jahres 1904 Niederlagen und hohe Verluste. Als die Schutztruppe durch ein Marineexpeditionkskorps auf ca. 15.000 Mann verstärkt wird, ändert sich die Lage für die Deutschen. In der „Schlacht am Waterberg“ am 11. August 1904 haben die deutschen Truppen die Herero weitgehend eingekreist und nur der Weg in die Wüste ist frei, den der Großteil der Herero, besonders Frauen und Kinder, noch während der Kämpfe nutzt und flieht. Viele der Herero werden erschossen oder sterben in der Wüste, da die Wasserstellen von den Schutztruppen besetzt sind. Auf der deutschen Seite kämpfen auch die Nama, da sich Hendrik Witbooi auf Grund des unterschriebenen Schutzvertrages verpflichtet fühlt.

Am 02.10.1904 fordert der Generalleutnant Lothar von Trotha im „Aufruf an das Volk der Herero“ die rücksichtslose Fortführung des Krieges und kündigt die Ermordung jedes Herero an, der innerhalb der Grenzen von Deutsch- Südwestafrika angetroffen wird: „Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertan […] Jeder der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert erhält 1000 Mark […] Das Volk der Herero muß jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der Deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen.“

Im Dezember 1904 wird der Befehl Trothas beendet und es werden Konzentrationslager eingerichtet. Offizielle Aufhebung des Kriegszustands ist am 31. März 1907, ca. 1/3 – 2/3 der Herero-Bevölkerung haben nicht überlebt. Erst 2015 bezeichnet das Auswärtige Amt in Deutschland den Krieg als „Kriegsverbrechen und Völkermord“. Im Sommer 2016 erkennt auch die deutsche Bundesregierung die Geschehnisse offiziell als Völkermord an.

Durch seine Vorgehensweise und rassistischen Ziele bringt Lothar von Trotha die Nama zunehmend gegen sich auf und im Oktober 1904 kommt es auch bei den Nama, unter der Führung von Hendrik Witbooi, zu Widerstand. Während der Herero-Krieg zum Großteil in offenen Schlachten ausgetragen wurde nimmt der Kampf mit den Nama den Charakter eines Guerillakrieges an. Am 29. Oktober 1905 fällt Hendrik Witbooi, die Kriegsführung wird nun von Jakob Marengo und Simon Copper übernommen, es kommt allerdings zu keinen entscheidenden Erfolgen. Obwohl im August 1906 im Reichstag die Bewilligung zusätzlicher Mittel für den Krieg mehrheitlich abgelehnt wird, besetzen die Schutztruppen in Namibia die Wasserstellen und die Nama werden ununterbrochen verfolgt. 1907 müssen die verbleibenden Nama-Kämpfer schließlich aufgeben und werden zusammen mit den Herero unter verheerenden Haftbedingungen und Zwangsarbeit in Konzentrationslager interniert. Im Januar 1908 werden die Letzten aus der Gefangenschaft entlassen, allerdings wird allen Einheimischen das Recht auf Land- und Viehbesitz genommen und Stammesgebiete und eventueller Besitz werden eingezogen.

Bereits wenige Tage nach Beginn des 1. Weltkrieges beginnt am 07.08.1914 auch in Deutsch-Südwestafrika die Generalmobilmachung. Am 09. September erklärt die Südafrikanische Union Deutschland den Krieg und im März und April 1915 räumen die deutschen Schutztruppen Namibia. Mit dem Versailler Vertrag 1919 verliert Deutschland alle Ansprüche auf Kolonien und vorübergehend wird Deutsch-Südwestafrika Mandatsgebiet des Völkerbundes. Ein Jahr später, 1920, erklärt der Völkerbund Namibia zum Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union. Dies ist allerdings an gewisse Auflagen gekoppelt. So ist es Südafrika nicht erlaubt Militärbasen im Land zu errichten oder Eingeborene zum Militärdienst einzuziehen. Auch soll die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Namibias gefördert werden.

Südafrika allerdings ignoriert die Auflagen und knüpft nahezu nahtlos an die Politik der Deutschen an und betrachten Namibia als Kolonie. Die einheimische Bevölkerung wird weiter in Reservate zurückgedrängt und für die Entwicklung wird so gut wie nichts getan. Weiße Siedler aus der Kapregion werden ins Land gelockt und nehmen große Gebiete in Beschlag. Bis 1926 hat sich die Zahl der Weißen Bevölkerung in Namibia verdoppelt und 1933 leben ca. 10.000 Deutsche in Namibia. Zu Beginn des 2. Weltkrieges werden ca. 12% in Südafrika interniert, da Südafrika auch in diesem Krieg wieder auf der Seite Englands steht.

1946 fordert der südafrikanische Premierminister, Namibia als fünfte Provinz einzuverleiben, dies wird von der UNO abgelehnt, die auch darauf aufmerksam macht, dass Südafrika Namibia nur treuhänderisch zu verwalten hat. 1951 verschärft Südafrika seine Politik der Rassendiskriminierung und die für Südafrika geltenden Apartheid-Gesetze werden auf Namibia ausgeweitet. So kommt es in den 50ern vermehrt zum Ruf nach Unabhängigkeit und 1959 wird die Organisation Ovamboland People’s Organisation (OPO) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Sam Nujoma. Es werden Streiks und Demonstrationen gegen die Apartheid-Gesetze organisiert. 1960, ein Jahr später ändert die OPO ihren Namen in South West African People’s Organization (SWAPO) um und Sam Nujoma, der mittlerweile im Exil lebt, wird zum Präsidenten gewählt.  Die Ziele der SWAPO beinhalten die Unabhängigkeit und Abschaffung des Systems der Kontraktarbeit sowie die Apartheid.

1966 entzieht die UNO Südafrika das Mandat für die Verwaltung Namibias, fordert Südafrika dazu auf sich aus Namibia zurückzuziehen und die Kontrolle der UNO zu übergeben. Südafrika ignoriert diese Forderungen und die SWAPO fordert alle Namibier zum bewaffneten Kampf gegen die Unterdrückung auf. Viele der SWAPO-Anhänger werden verhaftet oder ins Exil getrieben. Am 26. August 1966 kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften und Südafrika ruft den Notstand aus. Daraufhin startet die SWAPO den bewaffneten Kampf gegen Südafrika, wobei die Angriffe meistens von Angola aus geführt werden. 1969 fordert die UNO Südafrika abermals auf, sich aus Namibia zurückzuziehen, 1971 bestätigt auch der internationale Gerichtshof, dass die UNO politisch für Namibia verantwortlich ist und fordert Südafrika auf sich zurückzuziehen. Südafrika hingegen ignoriert die Beschlüsse weiterhin. Ende 1971 kommt es zu einem Generalstreik, der fast die komplette Wirtschaft in Namibia lahm legt. Südafrika verhaftet die Streikführer und ruft im Norden den Ausnahmezustand aus. Auf das Drängen der UNO 1972, Südafrika solle sich zurückziehen, wird die diskriminierende Politik weiter verschärft. Überall in Namibia kommt es zu weiteren Demonstrationen und die Zahl der SWAPO-Kämpfer steigt. Im darauffolgenden Jahr gründet die SWAPO die People’s Liberation Army of Namibia (PLAN) in welcher die Freiheitskämpfer organisiert werden. Im Dezember erkennt die UNO die SWAPO als „authentische Repräsentation des Namibischen Volkes“ an. Als 1975 die portugiesische Kolonialherrschaft in Angola endet, hat die PLAN verstärkt Möglichkeiten von Angola aus zu handeln, Südafrika verstärkt die Truppen an der Grenze zu Angola. Abermals fordert die UNO Südafrika auf sich zurückzuziehen und nennt den Mai 1975 als Termin, Südafrika aber reagiert immer noch nicht, sondern dringt Ende des Jahres weiter in Angola vor und dezimiert größere Gruppen der namibischen Freiheitskämpfer. Der Erfolg währt allerdings nicht lange, da Freiheitskämpfer aus Angola eingreifen und die Namibischen unterstützen. Südafrika befürchtet einen Zweifrontenkrieg und zieht die Truppen aus Angola zurück. Mit dem Einmarsch in Angola verstößt Südafrika unmittelbar gegen das Uno-Mandat, welches unter anderem untersagt, Namibia als Aufmarschgebiet zu nutzen. Als sich 1976 mehrere konservative Führer und Gruppen der SWAPO anschließen, wird der Unabhängigkeitskampf abermals gestärkt.

In der Turnhallenkonferenz unter der Leitung von Dick Mudge, arbeitet ein von Südafrika autorisiertes Gremium an einem Verfassungsentwurf. (Die Konferenz hat in einer Turnhalle getagt, heute befindet sich dort der Sitz des Gerichtshofs der Southern African Development Community). 1977 wird der 31.12.1978 als angestrebtes Datum für die Unabhängigkeit festgelegt. Die UNO setzt in der Resolution 435 fest, dass Südafrika alle Truppen abziehen muss und freie Wahlen unter UNO-Aufsicht stattfinden. Südafrika zieht plötzlich seine Zustimmung wieder zurück, obwohl die Resolution zuerst akzeptiert wurde. Im Dezember 1978 kommt es zu Wahlen, die von der SWAPO boykottiert werden. Der Sieger, die Demokratische Turnhallen-Allianz (aus der Turnhallenkonferenz entstanden), wird von der UNO nicht anerkannt. Mehrfach wird von Wahlbetrug, Bestechung und Einschüchterung berichtet.

Zwei Jahre später unternimmt die UNO einen erneuten Versuch die Unabhängigkeit Namibias zu erreichen. Es kommt zu Verhandlungen zwischen SWAPO, UNO und einer Kontaktgruppe, bestehend aus USA, Kanada, England, Frankreich und Deutschland. Die Verhandlungen scheitern, da Südafrika nicht mal einer Absichtserklärung zustimmt.

Ab 1981 dringt die südafrikanische Armee in Angola weiter vor, dennoch fallen weiterhin PLAN-Kämpfer im Norden Namibias ein. 1984 wird in Angola ein Waffenstillstand geschlossen und Angola verpflichtet sich, keine SWAPO Truppen oder kubanische Truppen nach Namibia zu lassen. Bis April 1985 zieht sich auch Südafrika vollständig aus Angola zurück.

Die 1978 gewählte Nationalversammlung löst sich 1983 auf, nachdem der Vorsitzende Dick Mudge zuvor zurückgetreten ist. Damit wird Namibia wieder vom südafrikanischen Generaladministrator regiert. Im darauffolgenden Jahr installiert Südafrika eine neue Regierung, welche aber sowohl von der Kontaktgruppe, als auch von der UNO abgelehnt wird.

Die Kämpfe verschärfen sich und weiterhin dringen PLAN-Gruppen ins Land ein und Südafrika verschärft seine Gegenmaßnahmen. 1988 fordert Angola schließlich, dass zuerst die Unabhängigkeit Namibias durchgesetzt werden müsse, bevor die kubanischen Truppen abgezogen werden. Nach anfänglichem Zögern erklärt sich Südafrika zu Gesprächen mit Angola, Kuba und den USA als Vermittler bereit. Als Ergebnis wird festgelegt, dass die UNO Resolution 435 am 1. November 1988 in Kraft treten soll. Angola, Kuba und Südafrika unterzeichnen einen Waffenstillstand.

Im Juni 1989 können 42.000 Exilanten und Flüchtlinge, darunter auch Sam Nujoma, nach Namibia zurückkehren und im November, eine Woche vor den Wahlen, hat Südafrika seine Armee komplett aus Namibia abgezogen. Bei den Wahlen ist die absolute Mehrheit für die SWAPO und Sam Nujoma wird zum Präsidenten gewählt. Ende des Jahres werden von den gewählten Parteien Vorschläge für eine Verfassung eingebracht. Im Januar 1990 wird der 21. März 1990 als Tag der Unabhängigkeit festgelegt und Sam Nujoma offiziell zum Präsidenten gewählt und ernannt. Im Februar wird dann eine demokratische Verfassung beschlossen und schließlich wird Namibia um Mitternacht, am 20.03.1990 unabhängig. Für die wirtschaftliche Unabhängigkeit wird 1993 der Namibian Dollar (N$) als eigene Währung eingeführt. Namibian Dollar und Rand sind auch heute noch an einander gekoppelt und man kann in Namibia auch noch mit Rand bezahlen. Bei den 2. Wahlen 1994 behält die SWAPO die Mehrheit uns Sam Nujoma wird im Amt bestätigt.

Mit der Unabhängigkeit Namibias wird auch eine Nationalhymne gedichtet.

"Namibia land of the brave,

Freedom fight we have won,

Glory to their bravery

Whose blood waters our freedom.

We give our love and loyalty

Together in unity

Contrasting beautiful Namibia

Namibia our country

Beloved land of savannahs

Hold high the banner of liberty.

 

Namibia our Country

Namibia motherland

We love thee"

 

Jeden Montag beim Morning Assembly in der Schule wird diese gesungen. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Inzwischen kann ich die namibische Nationalhymne schon fast selber mitsingen.

Bereits mehrmals wurde ich von den Kindern gebeten, die deutsche Nationalhymne zu singen und musste dann erklären, dass ich diese nicht kann. Das hat teilweise auf Erstaunen und ich glaube auch etwas Unverständnis getroffen. Hier kann so gut wie jeder die Nationalhymne singen, die Kinder lernen dies bereits in der Pre-primary school. Auch hat jede Schule eine eigene Schulhymne. Ich hingegen kann mich nicht erinnern jemals zuvor die deutsche Nationalhymne gesungen zu haben, was sicherlich auch etwas mit der Vergangenheit der jeweiligen Länder zu tun hat. Ich glaube hier in Namibia ist das Nationalgefühl deutlich ausgeprägter als in Deutschland. Die Namibier sind sehr stolz auf ihr Land und ihre Unabhängigkeit. Es gibt traditionelle Tänze und Kleidung. Der Independence Day wird groß gefeiert, zumindest in den größeren Städten und auch im Fernsehen übertragen. Da Gibeon nur ein kleines Dorf ist, hat hier nichts stattgefunden. In der Schule, in der ich arbeite, gab es einen Pre-Independence Day. Unglücklicher Weise lag ich an dem Tag mit Magen-Darm-Grippe im Bett. Ich kann da also leider nicht viel zu sagen, weiß nur, dass jede Klasse etwas vorbereitet und aufgeführt hat.

Auch der Glaube ist hier immer sehr präsent. Morgens im Lehrerzimmer, beim Morning Assembly, vor der Pause und vor Schulschluss wird immer gebetet. Beim Morning Assembly wird jeden Morgen von allen gemeinsam das Vater Unser gebetet. Auch bevor es im Center Essen gibt, müssen die Kinder beten. Bei mir in der Gastfamilie wird, bevor wir essen, das Essen gesegnet und von meiner Gastmutter wurde uns gesagt, wir sollen, bevor wir das Haus verlassen, beten, dass uns nichts passiert.  Auch bevor wir am 25. Dezember schwimmen gefahren sind, haben wir, als alle im Auto saßen, für eine sichere Fahrt gebetet.

 


 

Jetzt ist das ganze doch deutlich länger geworden als ursprünglich geplant. Wenn jemand bis hier hin gekommen ist und das alles gelesen hat hoffe ich, dass es informativ, interessant und nicht ganz zu langweilig war!

Danke fürs Lesen und liebe Grüße, Laura Fe

 

 

 

 


 

Literaturverzeichnis

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/aussenpolitik/herero 23.03.17

http://www.namib.info/index.php 22.03.17

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/aussenpolitik/nama 23.03.17

- meine Gastfamilie

- meine Erfahrungen und Erlebnisse ;) 

 

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